Das Kärntner Maischerle und die niederösterreichische Saumaise sind zwei uralte Spezialitäten, die ihre Entstehung bäuerlichen Schlachtprozessen zu verdanken haben.
Der Reindling: Der süße Star des Alpen-Adria-Raums
An der Schnittstelle von Strudel und Gugelhupf versüßt der Reindling seit Generationen die Kaffeejausen in Kärnten, Slowenien und Friaul. Wein- und Genusswelt hat einen der besten Reindlinge Klagenfurts für Sie ausfindig gemacht.
Gerollt, gesüßt, gebacken – der Reindling (auch: Reinling) ist eine Spezialität der Kärntner Küche, die sich in der Region größter Beliebtheit erfreut. Typischerweise wird der Napfkuchen aus Germteig als Süßspeise zum Kaffee, aber auch zur Kirchtagssuppe oder zur Osterjause gegessen. Bei den letztgenannten Anlässen kommt eine etwas weniger gesüßte Variante zum Einsatz – isst der Kärntner den Reindling zu Ostern doch gerne mit Schinken, Kren und hartgekochten Eiern.
Kuchen ohne Grenzen
Die Standardvariante des Reindlings ist ein gerollter, mit einer Butter-Zucker-Zimt-Mischung bestrichener Germteig, der in einer runden Form – dem Rein oder Reindl – gebacken wird. Dass der Reindling in Südkärnten regional auch Pogača oder Pohača genannt wird, hat seinen Grund: Auch in Slowenien gibt es eine Süßspeise, die dem Reindling zum Verwechseln ähnlich ist. Die Potica ist eines von vielen kulinarischen Beispielen, an denen die inneren Zusammenhänge des Alpen-Adria-Raums deutlich werden. Umso mehr, als sie – unter dem Namen Gubana – auch im Friaul zu finden ist.
Reindling, Potica und Gubana unterscheiden sich nur geringfügig in ihrer jeweiligen regionalen Ausführung. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist die Füllung: So wird die italienische Variante mit Nüssen, Rosinen, Pinienkernen, Zucker und geriebener Zitronenschale gefüllt. In Slowenien soll es gar bis zu 80 Füllvarianten geben – von Wal- und Haselnuss- über Estragon- und Mohn- bis hin zur Topfenpotica.
Einer Meisterwerk aus Klagenfurt
Wer in der Kärntner Landeshauptstadt auf der Suche nach außergewöhnlichen Backwaren und Süßspeisen ist, muss nicht lange suchen. Wenige Bäckereien in Klagenfurt haben sich einen so guten Ruf erarbeitet wie die 1930 gegründete Bäckerei Walter. Kein Wunder also, dass hier auch der Reindling ganz besonders gut schmeckt.
„Zu einem guten Reindling gehören gute Rohstoffe und Zutaten“, erklärt Bäckermeister Artur Walter, der die Bäckerei in dritter Generation führt. „Wenn du oben etwas Gutes reinfüllst, kommt unten auch etwas Gutes heraus.“ Daher arbeitet Walter ausschließlich mit hochwertigen Rohstoffen, die häufig auch bio-zertifiziert sind, etwa das Mehl oder der Zimt für den Reindling. Besonders wichtig ist auch das Verhältnis der Füllung zum Teig. Wie viel Teig kommt auf wie viel Rosinen, Zucker, Kakao, Zimt? Das sei wirklich entscheidend für einen gelungenen Reindling, so Walter. „Kein Mensch braucht das, dass nur noch Rosinen drin sind. Wenn es zu gut gemeint ist, dann ist es auch nicht das Wahre“, meint er lachend.
„Unser Reindling ist eine gute Mischung aus beiden Welten. Ich habe versucht, eine Brücke zwischen den Regionen zu schaffen.“
Bäckermeister Artur Walter

Dass es kaum möglich ist, den Geschmack eines Jeden zu treffen, ist Walter klar. In der Konzeption seines Reindlings hat er sich daher für einen Mittelweg entschieden. „Obwohl wir so ein kleines Land sind, gibt es regional große Unterschiede. Ein Unterkärntner Reindling ist anders als in Mittel- oder Oberkärnten. Die slowenische Seite ist noch einmal anders. Da fließen ganz viele Eindrücke ein, die ortsgebunden sind“, erklärt der Bäckermeister. Am jährlich stattfindenden Pohača-Fest in Ferlach probierte sich Walter durch die unterschiedlichen Reindling-Variationen und konzipierte schließlich seine eigene. Reduzierte Süße, Rosinen, aber nicht zu viele und ein bedeutender Nuss-Anteil: „Unser Reindling ist eine gute Mischung aus beiden Welten“, meint Walter schmunzelnd. „Ich habe versucht, eine Brücke zwischen den Regionen zu schaffen – um damit auch möglichst viele Leute ansprechen zu können.“ Ein Rezept, das offensichtlich aufgeht.

Walter Werbung auf Tram in Klagenfurt um 1950. Bild Artur Walter

