Meine Genussreisen: Fünf außergewöhnliche Gänge, große Weißweine und eine lange Tafel inmitten der südsteirischen Weinberge: Das Weinbergdinner von Signum Blanc ist weit mehr als ein Abendessen – es ist ein kulinarisches Gesamterlebnis.
Vogelhaus in Klagenfurt – wenn Essen zum Erlebnis wird
Von außen unscheinbar – innen eine kleine eigene Genusswelt.
Und genau solche Orte sind es, die ich auf meinen Genussreisen finden und weiterempfehlen möchte.
Im August habe ich es endlich einmal ins Vogelhaus in Klagenfurt geschafft. Ein Haubenlokal der ganz besonderen Art – und eines jener Restaurants, bei denen man schon nach kurzer Zeit merkt: Hier geht es nicht einfach darum, essen zu gehen.
Von außen ist der Eingang beinahe unspektakulär. Man würde kaum erahnen, was einen dahinter erwartet. Doch kaum ist man drinnen, ändert sich das Bild vollkommen. Man wird herzlich empfangen, alle sind unglaublich zuvorkommend und freundlich – fast könnte man sagen: Man wird behandelt wie ein Kaiser.
An diesem Abend war ich übrigens nicht allein, sondern in charmanter Begleitung. Und ich muss zugeben: Mit der Wahl des Vogelhauses hatte ich offensichtlich einen guten Griff gemacht. Die vielen kleinen Überraschungen, die außergewöhnlichen Kombinationen und die exzellente Weinbegleitung sorgten jedenfalls auch bei meiner Begleitung für Begeisterung. Mit der Wahl des Vogelhauses konnte ich an diesem Abend also durchaus punkten.



Klein, persönlich und besonders
Das Vogelhaus ist klein. Rund 20 Gäste finden hier Platz. Und genau das macht einen Teil seines besonderen Charmes aus.
Hinter dem Namen steckt übrigens eine nette Geschichte. Geführt wird das Vogelhaus von Stefanie Falkenberg und Fabian Kautz – vom Haus selbst augenzwinkernd als „der Falke“ und „der Kau(t)z“ bezeichnet. Beide bringen viel Erfahrung aus der gehobenen Gastronomie mit, und vielleicht erklärt gerade das auch ein wenig, warum sich ein Abend hier so anders anfühlt als ein gewöhnlicher Restaurantbesuch.
Es entsteht keine klassische Restaurantatmosphäre mit ständigem Kommen und Gehen. Alles wirkt persönlich, ruhig und auf den Gast abgestimmt.
Für mich war schnell klar: Das hier ist eigentlich kein Essen mehr – es ist ein Erlebnis.
Vielleicht kann man es am ehesten mit einem besonderen Freizeit- oder Erlebnisbetrieb vergleichen. Man geht nicht hin, um möglichst schnell etwas zu essen. Man nimmt sich bewusst einen ganzen Abend Zeit und lässt sich überraschen.
Drei oder fünf Gänge – zumindest offiziell
Beim Menü kann man zwischen verschiedenen Gangfolgen wählen. Das klingt zunächst recht überschaubar. Doch dabei bleibt es natürlich nicht.
Denn zwischen den eigentlichen Gerichten kommen immer wieder kleine Grüße und Zwischengänge aus der Küche. Und irgendwann hört man ohnehin auf zu zählen.
Das Besondere: Das Abendmenü wird regelmäßig neu entwickelt und monatlich verändert. Mein Menü war damit eine Momentaufnahme dieses Sommers – bei einem nächsten Besuch kann die kulinarische Reise schon wieder ganz anders aussehen.
Wir kamen um 19 Uhr und waren bis ungefähr 22 Uhr mit diesem kulinarischen Erlebnis beschäftigt. Drei Stunden, in denen ein kleiner Gang auf den nächsten folgte. Schon zu Beginn zeigte sich, wohin die Reise geht: Käferbohnenmuffin mit Dottercreme, Krengervais und Gartenkresse, gefolgt von Trüffelpopcorn.
Danach kamen unter anderem aufgeschlagene Nussbutter mit griechischem Olivenöl, Pastrami und Bad Ischler Salzflocken zur Focaccia sowie ein Beef-Tartare-Stanitzel mit Wasabimayonnaise, frittierten Kapern und Kapuzinerkresse.
Ein Wontonchip mit spicy Garnele, Rote-Bete-Hummus und Shisokresse und ein gebackenes Basilikumrisotto waren weitere kleine Stationen dieses Abends.
Die Weinbegleitung gehört zum Erlebnis
Was bei einem solchen Menü natürlich nicht fehlen darf, ist die passende Weinbegleitung – und auch hier hat mich das Vogelhaus überzeugt.
Die Weinbegleitung war exzellent und sehr gut auf die einzelnen Gerichte abgestimmt. Gerade bei einem Menü mit so vielen unterschiedlichen Aromen, von Kimchi und Dashi über Eierschwammerl bis hin zu Branzino und Limette, ist das alles andere als selbstverständlich.
Mit Anna gibt es im Team auch eine eigene Sommelière, die sich genau um diese Abstimmung kümmert. Das merkt man: Die Weine wirken nicht einfach dazugestellt, sondern wirklich als Teil des Menüs.
Sehr schön finde ich auch, dass Gäste, die keinen Alkohol trinken möchten, nicht auf eine passende Begleitung verzichten müssen. Auch eine alkoholfreie Getränkebegleitung wird angeboten, sodass das Menü ebenso stimmig ohne Wein erlebt werden kann.
Für mich gehört die Getränkebegleitung bei einem solchen Abend genauso zum Gesamterlebnis wie das Essen selbst. Wenn beides miteinander harmoniert, entsteht noch einmal eine ganz andere Genussdimension.
Ein Gericht mit unzähligen Details
Was mir besonders aufgefallen ist: Die Gerichte bestehen nicht einfach aus zwei oder drei Komponenten. Beim marinierten Schweinerücken trafen beispielsweise Avocado-Quinoa-Salat, Avocadocreme, Kimchi, Kimchimayonnaise, Finger Limes, gepuffter Quinoa, knusprige Schweinehaut, Austernkresse und Dashi aufeinander.
Viele unterschiedliche Aromen, Texturen und Temperaturen – und trotzdem ergibt am Ende alles gemeinsam einen Teller.
Genau dieses Spielen mit Zutaten zieht sich durch den gesamten Abend.
Kärnten darf natürlich nicht fehlen
Besonders schön fand ich, dass bei all der Kreativität auch die regionale Küche ihren Platz bekommt. Mit der Rosentaler Kirchtagssuppe kam ein Kärntner Klassiker auf den Tisch – mit Huhn, Rind, Croutons, Schnittlauch, Schnittlauchöl und natürlich Reindling.
Auch bei einem weiteren Gang wurde Regionales neu interpretiert: Ein Eierschwammerlraviolo wurde unter anderem mit Tropea-Zwiebel, Mangold, Ziegenfrischkäse, eingelegten Eierschwammerln, Eierschwammerlschaum sowie Brombeere und Brombeergel kombiniert.
Dazwischen sorgte ein Himbeersorbet für eine kleine Erfrischung.
Vom Branzino bis zur knisternden Tiramisu
Beim Fischgang kam ein Branzinofilet mit Spitzpaprika-Tarhonya-Risotto auf den Tisch. Dazu Paprikacreme, Paprika-Oliven-Salat, Olivenerde, Olivenkraut, eingelegte Physalis, Baba Ganoush, Auberginenchips und Olivenschaum.
Auch beim Dessert bleibt das Vogelhaus seiner Linie treu.
Da wäre etwa „Fabis knisternde Tiramisu“ – schon der Name macht neugierig.
Danach wurde es noch einmal richtig umfangreich: Limettentarte, Buttermilchespuma, Buttermilchbruch, Marillenröster, Marillengel, Marillensorbet, eingelegte Limettenfilets, Schokoladenmousse, Schokoladen-Pekanuss-Crumble, karamellisierte Pekanüsse und süße Kresse.
Zum Abschluss gab es noch kleine Vanille-Canelés.
Ein Abend, für den man sich Zeit nehmen sollte
Das Vogelhaus ist für mich kein Lokal, in das man geht, weil man einfach Hunger hat.
Man sollte sich Zeit nehmen, sich auf die Küche einlassen und neugierig sein auf das, was als Nächstes kommt. Gerade die Kombination aus dem kleinen, persönlichen Rahmen, dem unglaublich herzlichen Service, der exzellenten Weinbegleitung, der Möglichkeit einer alkoholfreien Begleitung und dieser Vielzahl an kleinen kulinarischen Überraschungen macht den Abend besonders.
Gut zu wissen
Domgasse 22
9020 Klagenfurt am Wörthersee
Tel.: +43 664 1949542
Eine telefonische Reservierung vor dem Besuch ist unbedingt zu empfehlen.
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Georg Unterrainer

